Landgang auf eigene Faust in Rotterdam (Amsterdam)

Rotterdam

Ich muss gestehen, dass ich vor drei Jahren die Metropolentour schon einmal gefahren bin und damals das Schiff direkt in Amsterdam im Hafen anlegte. Das war schon schick und somit war mein erster Gedanke für diese Tour: Waaaaaaaaas?… wieso denn Rotterdam und nicht Amsterdam? Wer will denn nach Rotterdam? Wie man unschwer erkennen kann, gab es da geringfügige Vorurteile meinerseits, die sicherlich durch ein großes Maß an Unwissenheit hervorgerufen wurden. Auf jeden Fall war in meinem Kopf manifestiert: Amsterdam=supertrouperoberklasse, Rotterdam=laaaaaaaaaaaangweilig!!!

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    Janine

    unterwegs mit
    Matthias & CRUVIPUS

Dem Rest des Reiseteams ging es ähnlich und das bedeutete Recherchearbeit! Dabei stießen wir auf Kommentare wie “das Spannenste in Rotterdam ist die Markthalle, sonst hat es nicht viel zu bieten”. Das war weniger ermutigend. Aber bei einer Stadt von dieser Größe muss es doch Einiges zu sehen geben?! Das kann ja wohl nicht sein, dass das alles für einen schönen Landausflug in Rotterdam sein soll! Beim weiteren Suchen entdeckten wir auf der Website von rent-a-guide eine Tour für Rotterdam*, die recht interessant schien:

Tauchen Sie ein und machen Sie sich selber ein Bild von dieser lebenslustigen Stadt, die es wirklich in sich hat. Geschichte und Geschichten präsentiere ich Ihnen zum Teil in Gedichtform, meiner Spezialität – angereichert mit Liedern. Wussten Sie, dass es von dem berühmten Lied „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren „auch eine niederländische Variante gibt, die sich in Rotterdam Katendrecht, dem ehemaligen Rotlichtviertel, abspielt?

Wir nehmen mal vorweg, bei uns wurde gedichtet, aber nicht gesungen. Unsere jüngeren Teilnehmer hatten etwas Sorge, dass wir singend durch die Stadt ziehen…

Kostenpunkt der Tour 130 € und eine mögliche Teilnehmerzahl von 25 Personen. Also wurde wieder ein Aufruf auf Facebook gestartet für maximal 15 Teilnehmer und auch diesmal fanden sich schnell Gleichgesinnte, zum Teil aus unserer Brügge-Truppe. Die Buchung gestaltete sich unkompliziert. rent-a-guide fragte bei Ulla (der Stadtführerin) an, ob sie an diesem Tag noch Kapazitäten hätte und uns wurde zurückgespielt zu welchen Uhrzeiten wir unseren Landausflug starten könnten. Die Länge war ebenfalls variabel, je nachdem wie viel wir uns anschauen wollten.

Wir entschieden uns für den Start um 10 Uhr und eine Länge von 2,5 Std. (140 €), hätten aber auch 3 Std. 150 € oder 4 Std. (160 €) wählen können.  Unsere Gruppe wollte sich die Markthalle, die Erasmusbrücke, die Kubushäuser und den Euromast ansehen. Ulla war sehr zuverlässig, schrieb uns im Vorfeld nochmal eine Email mit dem Treffpunkt und rief am Tag zuvor nochmal auf dem Handy an. Was die Bezahlung anbelangte, wir sind in Vorkasse gegangen, ein Teil der Teilnehmer hat im Vorfeld per PayPal an Freunde (super Option!) bezahlt, andere am ersten Tag auf dem Schiff und der Rest zu Beginn der Tour. Bei uns sind alle gekommen und haben bezahlt, aber wenn ihr euch absichern wollt, dann sammelt das Geld besser vorher ein. Freie Plätze könnten dann gegebenenfalls noch nachbesetzt werden.

Stellte sich nun die Frage, was machen wir am Nachmittag und Abend? Die AIDAprima sollte ursprünglich bis 8 Uhr den nächsten Morgen im Hafen liegen und das eröffnete viele Möglichkeiten. Amsterdam, wir kommen doch! Und wir wollten auf jeden Fall auf den Grachten fahren, das Anne-Frank-Haus besuchen, ein bisschen shoppen und ins Rotlichtviertel spinxen. Die Grachtenfahrt buchten wir für den Nachmittag auch schnell bei rent-a-guide; das kann man im Winter aber auch direkt vor Ort. Das Boot war nur halb voll und es gab keine Wartezeiten. Im Sommer mag das anders aussehen und da ist es wahrscheinlich nett, die Fahrkarte schon im Vorfeld zu kaufen. Das Zugticket wollten wir am Bahnhof in Rotterdam kaufen.

Jetzt aber mal zum Erlebten vor Ort: Wir legten also einen Tag früher als geplant. Anlegezeit: 11 Uhr. Unsere erste Reaktion auf die Routenänderung war: Ach, dann verbringen wir einen gemütlichen Tag an Bord; der kommende Tag ist ja schon so durchgeplant. Aber als sich dann die Sonne blicken ließ, mussten wir dann spontan doch raus!

Der Weg zum Ausgang und zum Shuttlebus war super ausgeschildert. AIDA stellte für beide Tage kostenlose Busse zur Verfügung, die ganztägig bis 19.30 Uhr abends alle 10-15 Min. am Terminal abfuhren. Das war sehr gut organisiert! Es gab zwei Bus-Stopps: Rathaus und Markthalle.

Zum Rathaus dauerte es bei uns ca. 20 Min. und zur Markthalle ca. 30 Min., aber wir steckten am Anfang auch etwas im Verkehr fest bzw. die Erasmusbrücke war gerade wegen durchfahrenden Schiffes geöffnet, so dass es durchaus auch 10 Min. schneller gehen könnte. Für Eltern von Minimäusen: Kinderwagen/ Buggy wurde vom Busfahrer total unproblematisch im Gepäckfach untergebracht.

Wir stiegen an der Markthalle aus.

Die Rotterdamer Markthalle ist riesengroß und wirklich wunderschön. Das Deckengemälde stellt vielerlei Blumen, Obst und Gemüse dar. Die ersten Minuten in der Halle muss man einfach den Kopf in den Nacken legen und angemessen staunen. Dann wandert der Kopf wieder nach unten und der Blick triff auf die herrlichsten, verlockendsten Speisen (für Märchenfreunde). Leckereien so weit das Auge reicht. Nun ja, da man auf einer Kreuzfahrt bekanntlich sowieso ein paar Kilos mehr mit nach Hause bringt, schadet das eine klitzekleine Kilöchen, das man sich in der Markthalle locker anfuttern kann, auch nicht mehr! Wir futterten uns also durch die Halle und kauften schnell noch ein paar Schokoladen-Mitbringsel für die Lieben zuhause.

Dann ging es weiter zur Fußgängerzone ein bisschen shoppen, einfach mal gucken und später noch Käffchen trinken. Rotterdam war mit seiner unglaublich vielseitigen Architektur viel interessanter als erwartet. Wohin man auch schaute, kein Gebäude glich dem anderen. Wir freuten uns schon sehr darauf, am nächsten Tag mehr über die Gebäude, deren Bewohner und Geschichte zu erfahren. Für diesen Tag erklärten wir das Sightseeing für beendet und liefen über den wunderschönen historischen alten Hafen (das größte Freilichtmuseum der Niederlande) zur AIDA. Das dauerte vom Rathaus aus ca. 40 Minuten.

Am nächsten Tag trafen wir uns um 10 Uhr mit Reiseleiterin Ulla und den anderen Teilnehmern unserer kleinen Gruppe (14 Personen) vor dem Kreuzfahrtterminal. Bevor wir starteten, zeigte Ulla uns die möglichen Optionen für unseren Landgang auf und fragte noch einmal nach individuellen Wünschen. Wir entschieden uns, mit dem AIDA Shuttle in die Stadt zu fahren und auf dem Fußweg wieder zum Hafen zurückzukehren. Schon bei Fahrtantritt legte Ulla los und unterhielt den gesamten Bus mit ihren Geschichten. Das war super und erfreute auch die anderen Fahrtgäste sichtlich. Beim Ausstieg gab es viel Applaus.

Wir besichtigten mit Ulla das Rathaus, Erasmus-Statue, World Trade Center Rotterdam, Markthalle, Staubsauger, Bleistift, Anspitzer und vertrocknete Sonnenblume (sorry, da müsst ihr auch an einer Stadtführung teilnehmen 😛 ), dann Kubushäuser inkl. Kubusmuseum (auf unseren Wunsch, 10 Minuten reichen aus, Kosten 3 €), Hafenmuseum (draußen), Kneipenviertel, die wohl älteste Rolltreppe der Welt und beendeten die Tour kurz vorm Euromast. Wir waren dafür knappe drei Stunden unterwegs, legten ordentlich Wegstrecke zurück und Ulla erzählte zum Teil in selbstgereimten Sprüchen, denen man die Geschichte entnehmen konnte oder eben “ganz normal”. Ulla gab uns Insider-Tipps und führte uns zur Kunst, die in Rotterdam gefühlt am Wegesrand ausgestellt wird.

Nach 3 Stunden informativer Führung verabschiedeten wir uns von Ulla. Wir werden sie jederzeit weiterempfehlen und wer Lust hat, mit ihr eine Führung zu unternehmen, der findet hier noch einmal alle notwendige Infos. PS: Wer Ulla im Rahmen eines AIDA Ausflugs erleben möchte, könnte bei der “Rotterdam bei Nacht”- Tour (RTM14) Glück haben, wie Sie uns verriet. Ein paar Leute unserer Gruppe fuhren noch auf den Euromast rauf (ca. 10 €), aber wir hatten leider keine Zeit mehr, denn wir mussten den Weg nach Amsterdam antreten. Zuerst aber wollten wir zurück zum Schiff, um unsere liebsten Reisegenossen (Honfleur) abzuholen. Zum Glück lag das Schiff nur eine Wassertaxistation (4,50 €) entfernt. Und Wassertaxi fahren macht richtig Spaß. Schade, dass die Fahrt so schnell vorbei war!!!

Soviel zu unserem Ausflug, der eeeeecht Spaß gemacht hat, informativ und super kostengünstig (ca. 18 € p.P.) war. Natürlich könnt ihr bei uns auch noch weitere tolle Touren in Rotterdam finden, sowohl auf eigene Faust von anderen Abenteurern oder auch über Tourenanbieter.

Tipp: Falls du gerne noch mehr Infos zu Bootstouren aller Art auf Landausflügen hättest, dann schau doch mal beim Beitrag von Janne „Landausflugstipps – Noch mehr Wasser“ vorbei.

Amsterdam

Amsterdam haben wir dann schnell komplett selbst organisiert. Für die Strecke von Rotterdam nach Amsterdam hatten wir uns ja schon für den Zug entschieden. Dieser startete am Rotterdamer Hauptbahnhof, Rotterdam Centraal. Die kostengünstigste Variante dorthin zu gelangen, wäre die Fahrt mit dem kostenlosen AIDA Shuttle zum Stadthaus und von dort 10 Minuten zum Rotterdam Centraal zu laufen. Da wir allerdings ein schlafendes Kleinkind im Buggy dabei hatten, wählten wir die Metro. Die Station „Wilhelminaplein“ befindet sich ca. 200 m links vom Kreuzfahrtterminal und zum Rotterdam Centraal fährt man 4 Haltestellen und ca. 10 Minuten. Für den Fahrkartenautomaten sollte man ein bisschen Zeit einplanen, denn fremde Systeme muss man erstmal verstehen. Wir taten das Naheliegendste und sprachen einen Einheimischen an. Wir kauften dann für jeden ein 2 Stunden Nahverkehr -Ticket für 3.50 € pro Person.

Die Fahrkarten nach Amsterdam kauften wir im Rotterdam Centraal am Automaten. Es wird dort ein Grundticket für den Nahverkehr „Sprinter“ für 30.50 € verkauft. Dauer: 1.20 Std. pro Strecke. Darüber hinaus gibt es einen IC, für den man 4.80 € mehr zahlt, eine zweite Fahrkarte erhält und in nur 40 Minuten den Weg zurücklegt. Die Züge fahren ca. alle 20 Minuten, zum Teil engmaschiger. In Amsterdam angekommen, suchten wir direkt den Anbieter Lovers Canal Cruises für die Grachtentour, die wir bei rent-a-guide für 16€ gebucht hatten. Lustigerweise befand er sich genau auf der entgegengesetzten Seite wie im Hauptbahnhof ausgeschildert. Die Tour startet immer zur vollen Stunde und so saßen wir um 16 Uhr auf einem Grachtenboot. Es regnete (mal wieder). Das erzeugte aber irgendwie ein heimeliges Gefühl auf dem Boot, es war dort schön warm und trocken. Draußen wurde es langsam dunkler.
Ihre Fahrt führt Sie vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt. So sehen Sie die eleganten Kaufmannshäuser aus dem goldenen Zeitalter, die märchenhaften Giebeldächer, wunderschöne Kirchen und die berühmte Magere Brug (Dünne Brücke).

Immer mal wieder tauchten links und rechts vom Boot Lichtinstallationen auf….

Die einstündige Grachtenfahrt fanden wir sehr empfehlenswert, auch und insbesondere bei Regen.
Im Anschluss an die Bootstour ging es zu Fuß (kleiner Fußmarsch von 20-25 Min.) mit kleinem Umweg über das Rotlichtviertel zum Anne-Frank-Haus. Wir waren circa 40 Minuten unterwegs, auf direktem Weg wären es ungefähr 20 – 25 Minuten gewesen.
Der Eintritt im Anne-Frank-Haus kostet 9 € pro Person, ist bis 19 Uhr geöffnet und das Museumspersonal empfiehlt einen Mindestaufenthalt von 1 Stunde. Wir fanden das Museum, insbesondere auch das Haus selbst, sehr interessant und bewegend. Allerdings war und ist dies ein besonderer Ort mit einer besonderen Geschichte. Und wie man sich mit der Vergangenheit und dem Holocaust beschäftigen und auseinandersetzen möchte und ob man dies in seinem Urlaub tun will, bleibt ja letzten Endes jedem selbst überlassen.
Punkt 19 Uhr wurde das Museum geschlossen und wir entschieden uns, langsam zum Bahnhof zurückzulaufen. Aber schnell noch einen Abstecher ins Magna Plaza. Jeden Donnerstag sind die Geschäfte statt bis 18 oder 19 Uhr, bis 21 Uhr geöffnet, das muss man ja ausnutzen. 🙂
Nach dem anstrengenden Shoppen gab es noch eine “holländische” Stärkung (Pommes Spezial und Frikandel) auf die Hand und wir traten die Rückreise zum Schiff an.

Das Zugticket für die Rückfahrt hatten wir ja schon und wir haben nicht konkret auf die Uhrzeit geachtet, denn die Züge fuhren sehr regelmäßig (max. 20 Min. Wartezeit) und das auch noch am späten Abend. Wir hatten Glück und erwischten direkt einen IC zum Rotterdam Centraal und waren somit 40 Minuten später am Rotterdamer Bahnhof. Da es für den AIDA Shuttle zu spät war, nahmen wir wieder die Metro, die wir auch schon auf dem Hinweg genutzt hatten. Um 22 Uhr waren wir glücklich von unserem Landgang zurück am Schiff; die “Alle Mann an Bord Zeit” war auf 24 Uhr (statt 8 Uhr den nächsten Morgen) verkürzt worden und wir wollten pünktlich sein. Ein Passagier ist mit den ganzen Änderungen wohl auch durcheinander gekommen und fand den Weg nicht rechtzeitig zurück zum Schiff. Der Kapitän wartete eine geschlagene Stunde (was wir schon sehr großzügig fanden) und dann fuhren wir ohne die Person ab.

Unser Fazit für Rotterdam und Amsterdam: Beides kann man super selbst „auf eigene Faust“ organisieren oder aber wenn man etwas mehr Hintergrundwissen haben möchte, über einen Tourenvermittler wie rent-a-guide mit einem Reiseführer zum kleinen Preis erleben.

Dies war unserer letzter Landgang auf der Metropolentour, aber bestimmt nicht unserer letzte Schiffsreise.

Janine & Cruvipus

Du stellst dir deinen perfekten Landausflug in Rotterdam/Amsterdam etwas anders vor? Dann gibt es für dich noch viele tolle auf eigene Faust Touren und andere Angebote zu entdecken.

Auch wenn du hier theoretisch beim „letzten“ Reisebericht bist, freuen wir uns natürlich, wenn du – sofern noch nicht geschehen – die anderen Reiseberichte zu unserer Metropolentour liest. Viel Spaß bei der Lektüre! 🙂

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