Landgang auf eigene Faust in Zeebrügge (Brügge) – neu

Brügge

Eigentlich müsste der Beitrag „Landausflug auf eigene Faust in Brügge – Diesmal aber wirklich“ heißen, denn genau das war er. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich genau diesen Landgang schon einmal geplant, aber da fiel er sprichwörtlich ins Wasser oder eher in die stürmische See. 😛 Die Kurzfassung: Das Wetter war schlecht, ein Anlauf zu unsicher, also fiel unser Aufenthalt in Brügge komplett aus. Zeebrügge wurde nicht angelaufen, sondern direkt Rotterdam angesteuert. Wenn ihr den kompletten Bericht lesen möchtet, den findet ihr hier.

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    Janine

    unterwegs mit Cruvipus

Brügge ist einfach wunderschön und das nicht – wie viele Städte – in nur einer Ecke oder in der Altstadt. Brügge ist einfach (fast) überall der Inbegriff von pittoresk! Das „New York des Mittelalters“ (was man nicht so alles lernt. 😛 ) ist definitiv einen oder gleiche mehrere Besuche wert und für mich sollte dies der dritte werden. Im Gegensatz zu den ersten beiden Besuchen, die eher von „ach, einfach mal treiben lassen“ geprägt waren, wollte ich dieses Mal einfach mehr Infos über die Stadt, am liebsten auf dem Silbertablett serviert, also aus dem Munde eines Reiseleiters. Gesagt, getan, ich habe wieder nach Angeboten geschaut und zuerst bei rent-a-guide angefragt, aber die Stadtführung, die mich interessierte, war an diesem Tag bereits ausgebucht. Also schaute ich noch einmal auf der Seite der Touristeninformation von Brügge, ob die Stadtführung von letztem Jahr noch zur Verfügung stand. Es gibt auf dieser Website eine relativ große Auswahl an verschiedenen Führungen. Eine zweistündige Führung kostet 75 € und es können bis zu 25 Personen daran teilnehmen.  Da wir den  “Weltkulturerbespaziergang” ja quasi verpasst hatten, wählte ich einfach diesen wieder aus und startete auch dieses Mal einen Aufruf bei Facebook. Ich finde 25 Personen immer ein wenig zu viel, deshalb wurde die Teilnehmerzahl auf max. 20 beschränkt. Manchmal kommen dann auch noch Leute hinzu, aber darüber später mehr.

Wie auch letztes Jahr war es recht unproblematisch, auf Facebook innerhalb von einigen Tagen andere Interessierte vom Schiff zu finden. Im Gegenteil, es wollten mehr Leute mit, als wir mitnehmen konnten bzw. wollten. Wir haben in der Facebook-Gruppe zur Stadtführung ein bisschen über die Zeit und die Länge der Tour diskutiert, denn beides bietet ein wenig Spielraum.

Die reguläre Führung ist 2 Stunden lang, aber man kann für 37,50 € auf 3 Stunden Führung aufstocken. Das ist natürlich sehr verlockend. Letzten Endes fragte ich die 2-stündige Tour ab 14 Uhr an und buchte diese Schlussendlich auch verbindlich.  Die Zahlung sollte vor Ort direkt beim Stadtführer erfolgen.

Kind und Kegel sollten zwar nicht mit auf die Stadtführung (eine Dreijährige findet das Thema Weltkulturerbe gerade nicht hochspannend :-P), aber eigentlich schon mit nach Brügge. Naja, erstens kommt es anders… Eltern von Kleinkindern können sich jetzt sicher einiges zusammenreimen und ich möchte nicht ins Detail gehen, aber am Ende fuhr ich allein nach Brügge. Nun gut, da hätte das Foltermuseum fast noch eine Chance bekommen, aber ich blieb beim eigentlich Plan und besuchte vor der Stadtführung das Historium… ALLEIN! Okay, mit Maskottchen CRUVIPUS, aber dessen kommunikative Fähigkeiten sind etwas eingeschränkt. 😉

Transport von Zeebrügge nach Brügge

Wie kommt ihr jetzt am besten von A nach B, oder von Zeebrügge nach Brügge?

Erstmal gibt es einen kostenlosen Shuttle zum Hafenausgang.

Option 1: Shuttle-Bus der Reederei
Bei AIDA kostet der Hin- und Rücktransfer von Zeebrügge nach Brügge im Bus 25 € p.P. und ist somit die teuerste Variante (sofern man nicht mit einem persönlichen Limoservice oder allein im Taxi fährt. )

Option 2: Shuttle-Bus über einen privaten Anbieter, der Cruise-Express
Dieser erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit bei Kreuzfahrern, denn das Ganze ist 20 % günstiger als mit der Reederei, d.h. man zahlt 20 € p.P für die Hin- und Rückfahrt. Die Fahrtzeit ist fast identisch und entspricht ungefähr einer halben Stunde. Die Haltestelle befindet sich wenige Meter neben dem Hafenausgang. Die Busse fahren nach Brügge von 8.30 Uhr bis 12 Uhr jeweils alle 30 Minuten. Der Fahrplan berücksichtigt die Liegezeiten des Schiffes. Kinder bis 9 Jahre fahren kostenfrei mit!!!
Man kann das Ticket auch problemlos vor Ort kaufen, wenn allerdings viele vom Schiff mit dem Bus fahren wollen, hat dies den Nachteil, dass man eventuell erst mit dem späteren Bus fahren kann. Man kann es auch gut im Vorfeld online erwerben.

Option 3: Sammeltaxi
Ein Taxi kostet ca. 50 € pro Fahrt. Der Clou ist allerdings, dass dies auch der Preis für ein Sammeltaxi ist. Beispielsweise bietet Martins Taxi die Hin- und Rückfahrt zum Festpreis von 100 € für max. 8 Personen an, so dass man hier eine individuelle Fahrt für 12,50 € p.P. erhalten kann. Voraussetzung ist natürlich die Organisation im Vorfeld, also weitere Personen zu finden und sich auf Uhrzeiten zu einigen. In unserer Gruppe haben das ein paar Leute getan und da hat es wohl sehr gut geklappt.

Option 4: Straßenbahn & Bus (über Blankenberge),
Die mit 6 € p.P. wohl günstigste – aber dafür etwas aufwendigere – Variante führt über den Spar Supermarkt in Zeebrügge, denn dort könnt ihr das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen und damit nach Brügge fahren. Am Hafenausgang haltet ihr euch rechts und geht ca. 5 Minuten zu Fuß bis zum Spar.

Kaufen Sie bei Spar Ihre Tageskarte
Die Tageskarte ist ein Ticket, mit dem 1 Person das Netz der Lijn (Straßenbahn +Bus) einen Tag lang unbegrenzt nutzen kann.
Für Kinder von 1 bis 6 Jahren gibt es die Tageskarte Kind für 4 €.
Bei jedem Umstieg muss das Ticket an den gelben Entwertungsgeräten an der Straßenbahn oder Bus entwertet werden!

Nach Brügge:
Nehmen Sie die Straßenbahn Richtung De Panne, steigen Sie an der Haltestelle Bahnhof Blankenberge aus. Anschließend nehmen Sie den Bus 33 Richtung Blankenberge-Brügge
(Kapazität 50 Personen pro Stunde. Kein Bus an Sonn- und Feiertagen). Oder Sie nehmen den Zug (+extra cruise-Zugticket) Blankenberge-Genk und steigen am Bahnhof Brügge aus.

Ich habe mich für den Cruise Express entschieden und die Fahrt nach Brügge geht wirklich schnell.  Die Fahrt dauert ca. 25 Minuten und die Haltestelle ist südlich vom Minnewaterpark. Von dort aus kommt man in ca. 15 Minuten leicht zu Fuß in die Innenstadt.
Eigentlich wollte ich direkt zum Historium zu gehen, allerdings musste ich dann auf der „Einkaufsmeile“ doch noch zwei kleine Abstecher machen. Der eine führt mich in einen der unzähligen Schokoladenläden. Das unglaublich beeindruckende Schaufenster von ‚The Chocolate Line‘ forderte mich auf, den Laden zu betreten. Es gab dort wundervolle außergewöhnliche Pralinenkreationen, allerdings ist der Preis durchaus gehoben.

Der zweite Abstecher führte mich in einen irrwitzig bunten Laden namens ‚Jelly Jazz‘ mit tollem Schnick Schnack. Für Mädchen und Dekofreaks ist dieses Geschäft ein Paradies.

Ich hätte darin SEHR viel Zeit verbringen können, aber dann wäre das Historium echt zu kurz gekommen, denn um 13.50 Uhr war fixer Treffpunkt für die Stadtführung. Also mussten 10 Minuten stöbern und ein Minieinkauf reichen und weiter ging es Richtung Marktplatz zum Historium.

Historium Brügge

Auf das Historium bin ich eigentlich eher durch Zufall aufmerksam geworden, denn es ist einer der festen Startpunkte, die man für die Stadtführung auswählen kann. Logistisch war es also die perfekte Sehenswürdigkeit vor der Stadtführung und es klang darüber hinaus wie etwas, das sich auszuprobieren lohnt. Im Grunde handelt es sich um eine Art Event-Museum, dass eine sehr interessante Mission hat. Da diese auf der Website nicht auf deutsch verfügbar ist, übersetze ich mal ungefähr 😛

Mission Historium

Wir möchten, dass das Historium eine Lücke im touristischen Angebot der Stadt Brügge füllt. Es ist eine einzigartige historische Attraktion, in der die Menschen in die reiche und bunte Geschichte der Stadt eintauchen können. Ein interaktives Erlebnis, in dem sich der moderne Besucher wie zu Hause fühlen wird. In diesem Zeitalter der sich rasant entwickelnden Multimedia, bringen wir Unterhaltung in die Geschichte des mittelalterlichen Brügge.

Das Multimedia-Setup des Historiums betont die Interaktion und die persönliche Erfahrung und macht die Attraktion für jeden zugänglich. Neue, sich schnell entwickelnde Medien sind heute ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und bilden unserer Meinung nach die Zukunft des Tourismus. Moderne Technologie hilft uns, das Interesse an der Geschichte von Brügge zu wecken und ergänzt die weitere Erforschung unserer schönen Stadt, ihrer Museen und ihres Erbes.

Bei allem, was wir tun, versuchen wir unterhaltsam, lehrreich, erfahrungsorientiert und historisch korrekt zu sein.

Die Preise fand ich durchaus ordentlich, aber ich bin bereit für neue Erfahrungen etwas mehr zu zahlen und eine Meinung, ob es das „wert“ ist, konnte und wollte ich mir erst nach dem Besuch bilden.

Eintrittspreise Historium

Erwachsener 14.00 € 
Erwachsener plus Virtual Reality Geschichte: 17,50 € 
(Meine Wahl) Erwachsener plus Virtual Reality Geschichte plus Drink: 19,50 €

Student 10.00 € 
Behinderter 13 € 
Kind (3-12 years) 7.50 €, unter 3 Jahre frei 
Alle aktuellen Preise findet ihr auf der Website vom Historium .

Drei mögliche Eintrittsvarianten: Da ich Virtual Reality total interessant finde  – und alleine mit CRUVIPUS zu trinken wiederum nicht-  war die Wahl nicht so kompliziert. Um 12.30 Uhr stand ich in der Schlange, um 12.35 Uhr hielt ich mein Ticket in der Hand, wurde direkt mit Audioguide ausgestattet und stand mit einer kleinen Gruppe von sechs Personen vor der Eingangstür zum Mittelalter.

Hinter der Tür erwartet den Besucher ein Tag im Mittelalter anhand einer Liebesgeschichte. Hauptprotagonisten sind ein Lehrling des Malers Jan van Eyck namens Jacob, das Modell Anna und ein grüner Papagei. In sieben unterschiedlich gestalteten Räumen wird die Geschichte kinoartig abgespielt, aber es wird auch der Geruchssinn angesprochen und einige andere Gimmicks hervorgezaubert. Die Geschichte dauert ca. 30 Minuten. Die letzte Tür führt zu der interaktiven Museumsausstellung, die weiterführende Informationen zu dieser Zeit liefert. Neben den eigentlichen Ausstellungsstücken, die vom Audioguide erklärt werden, gibt es diverse Monitore mit Spielen und Videos, die insbesondere Kindern Geschichtliches auf spannende Art und Weise näherbringen können.

Die Idee in einem Museum alle Sinne anzusprechen, fand ich in der Theorie super. In der Praxis… naja… es war ganz nett, aber umgehauen hat es mich jetzt nicht. Die damaligen Lebensumstände realistisch und Touristenkompatibel zu gestalten, wäre wahrscheinlich auch schwierig umsetzbar. Gerüche lassen sich nicht so leicht nachbilden und am Ende des Tages riecht alles nach Duftstäbchen. Wenn es in einem Raum richtig nach Pferdemist gerochen hätte, wäre ich beeindruckt gewesen 😛 .

Was ich aber echt sehr interessant fand, war der kleine Virtual Reality Film, den man sich in einem Nebenraum mit einer VR Brille ansehen konnte. Mir war hinterher schlecht, aber das war schon cool, wenn man mit VR sonst nicht so viel in Kontakt kommt. Der Film dauert nicht lang, vielleicht so knapp 10 Minuten. Das Erlebnis ist insbesondere für Kinder sehr empfehlenswert.

In der Nähe des Museumsausgangs gibt es eine große Tafel, die ich euch nicht vorenthalten möchte, denn an dieser sind die Top 10 Sehenswürdigkeiten in Brügge ausgezeichnet. Ich habe sie mal zum Vergleich neben die Top 10 Sehenswürdigkeiten von Tripadvisor gesetzt.

Top 10 Sehenswürdigkeiten in Brügge

Aushang Historium

  • Markt
  • Historium
  • Duvelorium Grand Beer Café
  • Die Brügger Grachten
  • Groeningemuseum
  • Burg
  • Rozenhoedkaai
  • Liebfrauenkirche
  • Beginenhof
  • Schokolade

Nach Tripadvisor

  1. Historisches Zentrum
  2. Bourgogne des Flandes Brauerei
  3. Burgplatz
  4. Rozenhoidkaai
  5. Minnewater Fluss
  6. Marktplatz
  7. De Halve Maan Brauerei
  8. St Bonifacius Brücke
  9. St. Anne’s Kirche
  10. Beginenhof

Stadtführung Brügge

Um 13.50 Uhr verließ ich das Historium, um davor meine Stadtführungs-Gruppe in Empfang zu nehmen. Es kamen alle pünktlich zum Treffpunkt, letzten Endes sogar drei Personen mehr als erwartet. Da auf diesen Gruppenführungen bis zu 25 Personen mitgehen dürfen, nahmen wir sie noch mit.
Mit unserem Stadtführer Hans startete die Tour am Marktplatz mit dem Belfried und führte uns dann über die Bierwand, den geklöppelten Stadtplan von Brügge, die Bonifacius Brücke, die Liebfrauenkirche, den Walplein Platz zum Beginenhof. Hans berichtete zu jeder Station ca. 5 Minuten etwas über Geschichte und Bedeutung. Dann war die Frage, ob die Gruppe gerne belgische Schokolade einkaufen möchte und zwar günstiger als in den Schokoladengeschäften, die es in Brügge ja an jeder Ecke gibt. Die Gruppe wollte, also führte Hans uns in einen Delhaize Supermarkt, wo sich alle ordentlich eindeckten. 😛  Zum Abschluss der Führung gingen wir mehr oder minder wieder an den Ausgangspunkt – den großen Markt – zurück bzw. ein paar hundert Meter weiter zum Rathaus. Und von dort ging es zum absoluten Geheimtipp, nämlich in den Keller des Crowne Plaza Hotels. Wer wollte nicht schon immer mal in einen Hotelkeller?! 😛 Im Ernst, dort befinden sich die Überreste der berühmten Sint-Donaas-Kirche aus dem 12. Jahrhundert und Teile der 100-jährigen Stadtmauer. Das war schon sehr beeindruckend!

Nach etwas mehr als zwei Stunden war unsere Stadtführung vorbei, die große Gruppe löste sich auf und jeder bummelte für sich allein oder in kleineren Grüppchen durch die Stadt.

Ich machte mich auf den Weg zurück zur Bushaltestelle vom Cruise-Express und zum Schiff.
Ein weiterer toller Aufenthalt in Brügge.
Ich komme auf jeden Fall wieder!!!